Vereinsgeschichte

Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche Ortsverein Osnabrück e.V.

Die Anfänge (1905/1955–1968)

Historische Wurzeln – Das Blaue Kreuz in Osnabrück ab 1905

Die Geschichte des Blauen Kreuzes in Osnabrück beginnt bereits im Jahr 1905.
Am 14. August wurde im Gemeinschaftssaal durch einen Beschluss engagierter Männer ein Ortsverein des Blauen Kreuzes gegründet – eingebunden in die internationale Bewegung, die 1877 in Genf entstand. Schon früh zeigate sich die Entschlossenheit der damaligen Mitglieder: 1907 wurde in der Dielingerstraße 10 ein eigenes „Blaukreuzhaus“ eingeweiht – ein Ort der Begegnung, der Hilfe und der geistlichen Gemeinschaft. Bis in die 1930er Jahre hinein leistete der Verein wertvolle Arbeit für Menschen mit Alkoholproblemen und ihre Familien. Die Kriegs- und Nachkriegszeit führten jedoch zu tiefgreifenden Veränderungen, und die ursprünglichen Strukturen bestanden in ihrer damaligen Form nicht weiter. Doch der Gedanke des Blauen Kreuzes – Hilfe zur Selbsthilfe, Gemeinschaft und christliche Hoffnung – blieb lebendig.

Der Grundstein für unseren Verein wurde im Jahr 1955 neu gelegt. 

Herr Niemeier, selbst betroffen, begann damals, anderen Abhängigen auf ihrem Weg aus der Sucht zu helfen. Die ersten Treffen fanden in seinem Wohnzimmer statt – in einem geschützten, vertrauten Rahmen, 
in dem sich Gleichgesinnte austauschten, ihre Erfahrungen teilten und sich gegenseitig Mut machten. Mit viel Hingabe und persönlichem Einsatz besuchte Herr Niemeier Betroffene – zunächst mit dem Fahrrad, 
später mit einem VW Käfer. Oft begleitete er sie zur Heilstätte Siloah bei Düsseldorf und  erkannte früh, wie wichtig die Einbindung der gesamten Familiein den Genesungsprozess ist.Seine Frau unterstützte ihn dabei, 
auch wenn seine eigene Familie dabei manchmal zurückstehen musste.

Wachstum und Struktur – Der Weg in die Öffentlichkeit (1969–1978)

Mit der Zeit wuchs die Gruppe, und die Treffen wurden in den Gemeindesaal der St.-Marien-Kirche verlegt. Dort entstand eine offene, unterstützende Atmosphäre, in der sich jeden Mittwoch Menschen bei Kaffee und Gesprächen begegneten. Anfangs wurde diese Gruppe von Herrn Pastor Ehlert begleitet. 1969 übernahm Walter Backhaus das Amt des 1. Vorsitzenden von Herrn Jürgensmann. Unter seiner Führung entwickelte sich die Arbeit weiter. 1973 kam Wilfried Thünemann hinzu, der als Leiter der Inneren Mission – heute die Beratungsstelle der Diakonie – gemeinsam mit Backhaus die erste Dienstagsgruppe ins Leben rief. Diese ergänzte die ambulante Therapie und bot Betroffenen wichtige Hilfe im Alltag.

Neue Gruppen und wachsender Bedarf (1979–1989)

Mit steigender Nachfrage wuchs auch das Angebot:
1979 gründete Frau Hannelore Necker die zweite Gruppe, später mit Gisela Zabel, dann Heide Freund-Kelker und heute Uwe Sieker als Leitung. 1981 war es Zeit für die dritte Gruppe unter der Leitung von Renate Mindermann, später Uwe Altenbach, heute leider eingestellt. 1987 entstand auch schon die nächste Gruppe, geleitet von Harald Nacke. Später wurde diese von Mechthild Geringhoff, Birgit Siepelmeyer und heute von Jörg Hagen begleitet. Der Verein entwickelte sich nicht nur zahlenmäßig, sondern auch inhaltlich weiter – ein deutliches Zeichen für den wachsenden Unterstützungsbedarf und die sensible Reaktion auf die Bedürfnisse der Betroffenen.

Weichenstellung und neue Zielgruppen (1990–2001)

1990 übernahm Friedhelm Beckmann den Vorsitz, Walter Backhaus wurde Ehrenvorsitzender. Unter Beckmanns Leitung wurde das Angebot entscheidend erweitert: 1991 entstand mit Ingelore Kahlert die erste Frauengruppe, die 1998 von Uschi Meyer übernommen wurde. 1994 folgte eine Gruppe für Betroffene und Mitbetroffene – gegründet von Rita und Lutz Conrads, heute geleitet von Dagmar,
Katharina und Moritz. Diese Gruppen gaben den Frauen und Mitbetroffenen den Raum, der dringend benötigt wurde – für Austausch, Verständnis und Stärkung.

Neue Räume, neue Energie (2002–2009)

2002 wurde eine zweite Frauengruppe von Uschi Meyer ins Leben gerufen – ein weiterer Beleg für das stetige Wachstum. Nach dem plötzlichen Tod von Friedhelm Beckmann 2007 übernahm Thomas Keim den Vereinsvorsitz. Die erste Gruppe unseres Vereins – von Walter Backhaus gegründet und von Friedhelm Beckmann weitergeführt – wurde von Reiner Zeretzki übernommen und aktuell von Kerstin Igelbrink geleitet. 2008 zog der Verein in neue Räume über dem Café Oase an der Lohstraße – zentral, modern und mit großem Symbolwert. Dort entstand ein lebendiger Begegnungsort, der weit über die klassischen Gruppentreffen hinausging. 2009 gründete Thomas Keim eine Gruppe „für junge Erwachsene und jung Gebliebene“ – ein mutiger Schritt in Richtung Zukunft. Heute ergänzt sie unser Angebot als reine Betroffenengruppe unter der Leitung von Holger Plogmann.

Offizielle Vereinsgründung und Mitgliederentwicklung (2012–2019)

2012 wurde der Verein offiziell als „Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche, Ortsverein Osnabrück e.V.“ ins Vereinsregister aufgenommen – ein wichtiger Meilenstein, der die Arbeit auf eine rechtlich stabile Basis stellte. 2013 zählte der Verein erstmals über 100 Mitglieder – ein historischer Moment, der das Engagement und die Wirksamkeit der Vereinsarbeit widerspiegelte. Auch wenn diese Zahl später wieder etwas zurückging, ist die Mitgliederbasis bis heute stabil und engagiert.

Herausforderungen und neue Wege in der Pandemiezeit (2020–2025)

Wie viele andere Vereine traf uns die Corona-Pandemie schwer. Im Jahr 2020 mussten wir nach 39 Jahren die beiden Frauengruppen schließen. Auch die Montagsgruppe löste sich 2022 – nach stolzen 43 Jahren – mangels Teilnehmenden auf. Doch wir ließen uns nicht entmutigen. Im Gegenteil: Wir nutzten die Herausforderung als Chance für einen Neuanfang. Seit 2021 gibt es eine neue Vormittagsgruppe, ins Leben gerufen von Thomas Keim. 2023 gründete Mareile Keim eine Gruppe für Angehörige – einen geschützten Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und Verständnis im oft schwierigen Umgang mit der Sucht eines nahestehenden Menschen. Ein starkes Signal setzte 2024 Tobias Bartke mit der Gründung einer neuen Montagsgruppe – ein wichtiger Schritt zur Erweiterung unseres Angebots. Im selben Jahr entstand unter der Leitung von Julia Olthuis eine neue Frauengruppe: ein Zeichen der Erneuerung, der Hoffnung – und dafür, dass wir weitermachen. Gemeinsam.

Wechsel in der Vereinsführung und Blick in die Zukunft (2023–heute)

2023 legte Thomas Keim sein Amt nieder, um sich einer neuen Aufgabe als Bundesvorsitzender zu widmen. Die Leitung des Vereins übernahm Tobias Bartke. Zwei Jahre später, im Jahr 2025, trat er aus beruflichen Gründen zurück. Thomas Keim kehrte zurück – mit seiner langjährigen Erfahrung und seinem bewährten Engagement, um den Verein weiterhin zukunftsorientiert zu gestalten.

Unser Verein ist nicht nur eine Selbsthilfegruppe

auch das Miteinander außerhalb der Gruppentreffen ist uns wichtig. Seit vielen Jahren gehören gemeinsame Aktivitäten fest zu unserem Vereinsleben: das traditionelle Neujahrsfrühstück, ein Spargel- oder Grünkohlessen, Tagesausflug, Grillabende, Wochenendseminare sowie unsere stimmungsvolle Weihnachtsfeier stärken das Gemeinschaftsgefühl. Auch gesellige Unternehmungen, wie ein Kegelabend oder ein Minigolf- Nachmittag, bieten Raum für Austausch, Lachen und Verbundenheit.

Ein lebendiger Verein mit Herz und Haltung

Heute – nach 70 Jahren bewegter Geschichte – ist unser Verein mehr denn je ein Ort der Hoffnung, der Gemeinschaft und des persönlichen Wachstums. Unsere Stärke liegt im Miteinander, im offenen Ohr, in der Vielfalt unserer Gruppen und im unermüdlichen Engagement vieler Menschen, die ihre Erfahrungen weitergeben, anderen Mut machen und gemeinsam einen Weg aus der Sucht zeigen. Die Geschichte
unseres Vereins ist kein abgeschlossenes Kapitel – sie wird jeden Tag weitergeschrieben.
Und alle, die dazukommen, werden Teil davon.